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Exkursion Juni 2017

Dass im FSC zertifizierten Wald Naturschutz und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen berücksichtigt werden erläuterte Thomas Schmalenberg, Zertifzierungsbeauftrager und Bereichsleiter Produktion des Forstamtes Dieburg im Laufe einer knapp dreistündigen Exkursion durch den Groß-Umstädter Staats- und Stadtwald. Dazu eingeladen hatte der Umweltausschuss im Rahmen des Breuberger Waldforums, um Interessierten die Möglichkeit zu geben, sich vor Ort über waldbauliche Maßnahmen in dem an Breuberg angrenzenden Forstbezirk zu informieren.

Vom Treffpunk Parkplatz „Alter Steinbruch“ aus ging es mit den PKW s zur ersten Station, dem Naturtreff Rödelshäuschen. Hier erhielten die Teilnehmer erste Informationen über das rd. 1.600 ha große Groß-Umstädter Revier, das zum Forstamt Dieburg gehört und 1200 ha Stadtwald und 400 ha Staatswald betreut. Im Februar 2016 hat es ebenso wie die weiteren vom Forstamt Dieburg betreuten Kommunalwälder erneut das FSC®-Audit bestanden, eine jährliche Betriebsprüfung, deren Ergebnis öffentlich zugänglich in der Datenbank von FSC -Deutschland eingesehen werden kann. Dafür war der Prüfer zweieinhalb Tage im Revier unterwegs und hat anhand anspruchsvoller und überprüfbarer sozialer, ökologischer und ökonomischer Kriterien alle im vergangenen Jahr erfolgten Maßnahmen überprüft. Wie jede Betriebsprüfung zwar äußert anstrengend für die Beteiligten, aber dennoch aus Sicht der Waldbesitzer überaus wichtig, um transparent die Arbeit im, und für den Wald darzustellen.

Denn, so Schmalenberg, gerade weil jeder Deutsche 1,5 m² Holz jährlich verbraucht, die nicht alleine mit heimischen Holz zu decken sind, muss eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder sichergestellt werden. Die nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz sollte dabei ebenso wie der Erhalt des Lebensraumes Wald zu den wesentlichen Aufgaben der öffentlichen Wälder gehören. Aus dieser Verantwortung heraus hat sich Groß-Umstadt 2002 entschieden, das FSC Siegel einzuführen und das erwirtschaftete Holz bevorzugt an regionale Sägewerke zu verkaufen, um sicherzustellen, dass die Wertschöpfung in der der Region erfolgt.

Nach diesen umfangreichen Ausführungen ging es weiter zum nächsten Standort, an dem die Bedeutung der Habitatbäume erläutert wurde. Pro Hektar sind laut FSC Richtlinie langfristig 10 Habitatbäume auszuweisen.

Meist handelt es sich alte Bäume oder solche mit beispielsweise Baumhöhlen oder Fledermausrinnen, die Tieren Unterschlupf und Nahrung bieten und eine zentrale Rolle für das Ökosystem Wald spielen. Im Bereich der Habitatbäume entdeckten die Besucher einiges Totholz, das einen „unaufgeräumten“ Eindruck machte. Tatsächlich bildet es aber einen bedeutsamen Rückzugs- und Lebensraum für unzählige, teils sehr seltene Lebewesen. Darüber hinaus bilden Baum- und Pflanzenreste den Dünger im Wald und stellen so ein aktives Bodenleben sicher.

Der nächste Stopp galt einem Douglasienstandort. Da Douglasien nicht zu den heimischen Baumarten zählen, steht man im Groß-Umstädter Revier dieser Baumart nicht ganz unvoreingenommen gegenüber und hat sie in kleinen Beständen mit einem Anteil von etwa 5 % in die Waldgemeinschaft eingestreut. Um den möglichen Folgen des Klimawandels zu trotzen, wird auf eine Mischung heimischer Baumarten gesetzt. Dazu werden Weißtannen und andere Baumarten in die von der Buche dominierte natürliche Waldgesellschaft vermehr eingestreut. Dies ist bei hohem Wildbestand ohne Verbissschutz oft nur schwer möglich. Einen Hinweis auf den Wildbestand gibt das sogenannte Weisergatter. Hier wird in genau bemessenen Flächen geprüft, wie groß die Differenz zwischen der Naturverjüngung innerhalb- und außerhalb des Gatters ist, was wiederum einen Rückschluss auf die Wilddichte gibt. Hier konnten die Teilnehmer feststellen, dass auch außerhalb des Gatters Weißtannen hochkommen, dazu Fichten, wie erwartet auch zahlreiche Buchen ebenso wie die eine oder andere Douglasie, der im Konkurrenzkampf der Bäume allerdings keine dominierende Zukunft zu bescheinigen ist.

Mit Beginn der Dämmerung versammelte sich die Gruppe an einer Stilllegungsfläche in einer Steillage, die vollkommen sich selbst überlassen bleibt und den Waldbesuchern einen besonderen Eindruck vom Lebensraum Wald gibt.

Einen besonderen Eindruck vom Wald haben auch die Teilnehmer der Exkursion dank der umfassenden und interessanten Information durch Bereichsleiter Thomas Schmalenberg erhalten, sodass vermutlich Einige auch an der zweiten Veranstaltung, die aufgrund der Nachfragen voraussichtlich im Spätsommer stattfinden wird, teilnehmen werden.